
{"title":"<p>„It’s simple“ Achtsamkeitsspaziergang in der Natur</p>","metaTitle":"„It’s simple“ Achtsamkeitsspaziergang in der Natur – Toolkit","text":"<p>„Ich habe das Ausmaß der Baumschäden im Park nie so bewusst wahrgenommen wie in dieser meditativen Haltung – und gleichzeitig die Schönheit gesehen,“ sagte eine Mitarbeiterin des Parks Sanssouci nach dem Achtsamkeitsspaziergang. „Diese Intensität der Wahrnehmung und ganz bei mir zu sein – toll! Und so simpel umzusetzen!“\u2028\u2028</p><p>Die Teilnehmenden des Resilienz-Workshops „Klima und Nachhaltigkeit“ im Kulturquartier Silent Green beschreiben ähnliche Erfahrungen. Eine Teilnehmerin beschreibt ihr bewusstes verkörpertes Erleben, das anstelle von anhaltendem Grübeln tritt. Nach dem einfachen Spaziergang in der Grünanlage von Silent Green, ist die Gruppe überrascht, wie befreiend und beruhigend dieser einfache Spaziergang wirkt.</p><p>Die eigenen Sinneseindrücke bewusst wahrzunehmen und nichts auszublenden, ist eine Voraussetzung, um wirklich zu erkennen, was um uns herum geschieht – beispielsweise die massiven Veränderungen in unseren Ökosystemen.</p><p>Diese Erfahrung verdeutlichen, wie eine fokussierte und achtsame Wahrnehmung helfen kann, die Welt um uns herum intensiver und bewußter wahrzunehmen als bisher und zugleich ruhiger zu werden und mehr „zu uns zu kommen“.</p><p>Die hier vorgestellte Übung ist einfach umzusetzen: Sie stärkt die Sinneswahrnehmung und Widerstandskraft.</p><div class=\"colored-container\"><h2>Praktische Anleitung zum Achtsamkeitsspaziergang</h2>\n<div class=\"indented-text\"><p>Übe zuerst meditatives Gehen zuhause, beispielsweise im Flur, bevor Du Dir einen schönen Weg in der Natur suchst, auf dem Du Dich sicher fühlst – alleine oder mit anderen.</p></div><h2>Meditatives Gehen:</h2>\n<ul><li>Gehe langsam im Schweigen, die Aufmerksamkeit beim Atem.</li><li>Synchronisiere Deinen Atem mit den Schritten: Einatmend hebst Du einen Fuß, ausatmend setzt Du ihn ab.</li><li>Nimm den Augenblick wahr, in dem Du auf einem Fuß stehst. </li><li>Die Hände sind entspannt vor Bauch oder Rücken verschränkt, was stabilisiert.</li><li>Lasse den Blick weich in die Umgebung fallen, ohne etwas zu fokussieren.</li><li>Wenn Gedanken schweifen oder Dein Blick hängenbleibt, kehre behutsam mit Deiner Aufmerksamkeit zum Atem und Wahrnehmen der Füße zurück.</li></ul><div class=\"indented-text\"><p>Gehe so, bis sich ein fließender Rhythmus einstellt. Sei dabei freundlich und geduldig mit Dir selbst. Alles, was auftaucht an Gefühlen, Empfindungen – ob angenehm oder unangenehm – darf sein. Diese akzeptierende Haltung verkörpert Präsenz.</p></div><h2>Sinneswahrnehmungen erkunden:</h2>\n<ul><li>Richte nach einiger Zeit Deine Aufmerksamkeit bewusst auf die Sinne, bleibe dafür gelegentlich stehen.</li><li><em>Hören</em>: Nimm Geräusche, Stille, Wind, Vogelstimmen oder entfernte Maschinengeräusche wahr.</li><li><em>Sehen</em>: Entdecke Details wie Bodenstrukturen, Blüten, Rinde, Wolkenformationen.</li><li><em>Riechen</em>: Atme den Duft von Erde, Pflanzen, frischer Luft.</li><li><em>Fühlen</em>: Spüre Luft auf der Haut, Wind im Haar, berühre vorsichtig Baumrinde oder Moos.</li></ul><div class=\"indented-text\"><p>Erkunde das Zusammenspiel von Innen- und Außenwahrnehmung. Nimm Resonanzen in Dir wahr und bleibe präsent.</p></div><h2>Rhythmus wieder aufnehmen:</h2>\n<ul><li>Gehe anschließend weiter wie zu Beginn, wieder in der Atem-Schritt-Synchronisierung.</li><li>Verankere Dich immer wieder im Hier und Jetzt.</li></ul><div class=\"indented-text\"><p>Zum Abschluss halte kurz inne. Spüre nach, was in Dir vorgeht, welche Gefühle, Gedanken oder Impulse auftauchen. In einer Gruppe kann ein achtsamer Erfahrungsaustausch folgen –, möglichst ohne Bewertungen und Interpretationen, sondern nah an dem, was erlebt wurde.</p></div></div><h2>Warum diese Übung?</h2>\n<p>In einer lauten, hektischen Welt und angesichts persönlicher / gesellschaftlicher Krisen verlieren wir leicht den Kontakt zu uns selbst und die Verbindung zu unserer Mitwelt. Unsere Gedanken gleichen wilden Affen, die umherspringen; unsere Gefühle treiben uns an, und wir suchen verzweifelt nach Lösungen. Für viele ist es schwierig, zur Ruhe und in Stille zu kommen.</p><p>\u2028Die Gehmeditation bietet einen leichten Einstieg: Bewegung, Natur und Wahrnehmung verbinden sich und innere Resonanzen, Stille und Verbundenheit mit der Mitwelt werden erfahrbar. In dieser präsenten Haltung können wir auf uns zukommende Ungewissheiten besser halten und aus der Stille heraus können sich Räume für neue kreative Ausdrucksformen eröffnen.</p><p>Kontinuierliche Übung ist wichtig, 10 bis 20 Minuten täglich – kurz, aber regelmäßig –, helfen, diese Ressource im Alltag zu verankern.</p><p><em>Variationen</em>: Im Flur langsam auf und ab gehen, auf dem Weg zur Arbeit einige Atemzüge bewusst wahrnehmen oder kurze Momente der Achtsamkeit bei einem Spaziergang einbauen. Solche Mini-Pausen unterstützen dabei, wieder in unsere Mitte zu kommen und uns zu zentrieren.</p><p>Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern gerade für sozialökologisch und soziokulturell engagierte bildende Künstler*innen wesentlich, um gesund zu bleiben. Oft hindern uns innere Stimmen („Das ist egoistisch“) daran, uns um uns selbst zu kümmern. Diese gilt es nicht zu bekämpfen, sondern liebevoll zu besänftigen.</p><div class=\"indented-text\"><p>Zu der oben beschriebenen Übung hat Constanze Meyer ein spezifisches Wortverzeichnis eigens erstellt, s. hierzu im Glossar: Achtsamkeit, Akzeptanz, Atem, Gedanken, Körper &amp; Bewegung, Resilienz. </p></div><div class=\"indented-text\"><p>Über die Autorin: <strong>Dipl.-Psych. Constanze Meyer,</strong> Niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin (Tiefenpsychologie), Gestalttherapeutin, Achtsamkeitslehrerin (Mindfulness-Based Cognitive Therapy, = MBCT), Dozentin in Ausbildungsinstituten u. v. m. Sie ist Mitinitiatorin des Zen-Meditationsprojekts im betterplace bUm.berlin (Raum für solidarisches Miteinander im Umspannwerk Berlin), aktiv zudem bei Psychologists4Future: Workshops und Retreats für Aktivist*innen<em>, </em>Politiker*innen und Engagierte.</p><p>Mehr Infos mit einem Interview im Rahmen von RE:GENERATION 2024 unter: <a href=\"https://www.spsg.de/blog/article/2024/08/16/mut-fuer-die-zukunft-schoepfen?no_cache=1\" rel=\"noreferrer\"><em>www.spsg.de/blog/article/2024/08/16/mut-fuer-die-zukunft-schoepfen?no_cache=1</em></a></p></div>","author":"Constanze Meyer","footnotes":"<div id=\"footnotes\" class=\"footnotes-container\">\n    <ol class=\"footnotes-list\">\n            </ol>\n</div>\n","category":"Essay","download":null,"slug":"it-s-simple-achtsamkeitsspaziergang-in-der-natur","color":"#337eff","invertOnHover":false,"parent":"strategien-der-resilienz","likes":"1","alreadyLiked":false,"commentAndLikeSection":true,"comments":[]}